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Der Finanzier des Mittelstands
Reik Hesselbarth ist Geschäftsführer der
Beteiligungsgesellschaften der Sparkasse Leipzig und arbeitet daran,
Unternehmen in die Region zu ziehen oder sie bei der Expansion zu
unterstützen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Ansiedlung von Verlagen.
Sie sind Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaften der Sparkasse
Leipzig, wofür sind Sie verantwortlich?
Wir sind dafür verantwortlich, Unternehmen, die sich in Leipzig ansiedeln,
neu gründen oder expandieren wollen mit Eigenkapital auszustatten, ihnen
also Geld in die Hand zu geben, um das Wachstum anzustoßen.
Wie funktioniert die Kapitalvergabe genau?
Das Ganze beginnt mit vielen Gesprächen, geht über detaillierte
Beteiligungsprüfungen und Vertragsverhandlungen, bis zum
Beteiligungsmanagement und Controlling.
Haben Sie ein Gespür dafür, wann eine Geschäftsidee gut ist?
Ich hoffe, dass wir ein Gespür dafür haben oder zumindest entwickelt haben
(lacht), wir machen das seit 1999, also schon ein paar Jahre. Im
Wesentlichen hängt eine Zusammenarbeit von den Gesprächen ab. Passt man
zueinander? Kann uns der Unternehmer von der Idee überzeugen und davon,
dass er das, was er vorhat, auch verwirklichen kann? Den Businessplan
schauen wir uns natürlich auch an, aber Papier ist geduldig und
Excel-Tabellen sind noch geduldiger. Das Spannende ist wirklich das
Gespräch mit dem Unternehmer. Wenn der Unternehmer uns überzeugt hat, dann
passt in der Regel auch das Konzept.
Woher stammt das Kapital, das Sie investieren?
Im Wesentlichen von der Sparkasse, wir nutzen aber auch Kapital, das wir
bei öffentlichen Geldgebern wie der KfW einwerben oder gehen Coinvestments
ein, wo andere Marktteilnehmer angesprochen werden.
Wie hoch ist das Ausfallrisiko?
Bei den großen Venture Capital Gesellschaften, die auf
Technologiefinanzierung spezialisiert sind, entwickeln sich von zehn
Engagements zwei wie geplant, vier bis fünf fallen aus und die anderen
drei bis vier entwickeln sich so lala. Mit einer Ausfallquote von 50
Prozent hätten wir unsere Schwierigkeiten, die haben wir zum Glück nicht.
Da liegen wir deutlich drunter. Aber das Risiko ist immer da, gerade wenn
man im Start-Up-Bereich agiert, wo zum Teil noch geforscht wird und das
Produkt noch nicht fertig ist. Trotz aller guten Ideen und aller
Plausibilität kann es passieren, dass der Verbraucher sagt: Nee, das will
ich nicht. Und dann können Sie sich hinterher fragen: Warum wollte der das
nicht? Theoretisch passte alles, aber eine Fehlinvestition kann man nicht
ausschließen.
Sie waren unter anderem am Umzug des Neuen Europa Verlages nach Leipzig
beteiligt oder arbeiten mit dem Verlag Seemann Henschel zusammen. Gibt es
eine spezifische Strategie für die Buch- und Verlagsbranche?
Das Verlagsgeschäft ist ein sehr spannendes, aber auch sehr spezielles
Geschäft und im Moment kein sehr einfaches. Leipzig definiert sich ein
Stück weit als Kultur- und Buchstadt, da ist für uns klar, dass
Verlagsbeteiligungen, dort wo es sinnvoll ist, ganz oben auf der
Prioritätenliste stehen. Natürlich schaut man, wenn man sich an einem
Verlag beteiligen will, genau hin: Was ist die Spezialität eines Verlages?
Die achte Gründung eines Fachverlages in einer sehr kleinen Branche oder
ein Belletristikverlag ohne besondere Ausrichtung sind sicher schwierig,
da der Gesamtmarkt insgesamt rückläufig ist.
Aber sind die Märkte mittlerweile nicht überall gesättigt?
Es gibt einige Branchen, die stark wachsen. Alles, was mit dem
demografischen Wandel zu tun hat zum Beispiel, aber auch in schrumpfenden
Märkten gibt es Unternehmen, die trotzdem gut laufen und gut verdienen,
aber die herauszufiltern ist eine Herausforderung.
Sind das die einzigen beiden Verlagsbeteiligungen?
Im Moment ja. Wir hatten verschiedene Beteiligungen, die zum Teil schon
zurückgezahlt wurden, es finden Gespräche statt über neue Engagements.
Gleichwohl merkt man, dass es, wenn der Markt schrumpft, nicht so viele
Unternehmen gibt, die expandieren wollen und sich in eine Akquisition
stürzen. Die meisten Verlage, mit denen wir gesprochen haben, sind derzeit
auf einem Konsolidierungskurs, daher ist der Markt eher begrenzt für uns.
Leipzig war einmal die Buchstadt schlechthin, doch der Zweite Weltkrieg
und die DDR-Zeit haben der Branche arg zugesetzt. Wird die Stadt je wieder
daran anknüpfen können?
Alles, was ich jetzt sage, ist wohl falsch (lacht). Ich denke, der
Buchmesse zum Beispiel ist ein großartiges Comeback gelungen. Das hat
niemand geglaubt, gerade, als der Umzug aufs neue Gelände bevorstand. In
jeder Zeitung war zu lesen, das kann gar nicht gut gehen. Es ist gut
gegangen. Gleichwohl, die große Verlagsstadt wird Leipzig wohl nicht mehr
werden, dazu haben sich die Verlage in den Städten, in die sie nach dem
Krieg gegangen sind, zu gut eingerichtet. Trotzdem sind wir in Gesprächen
über Ansiedlungen. Spannender ist es überdies, über eine Spezialisierung
zu sprechen, um in Teilbereichen eine größere Aufmerksamkeit zu haben.
Zum Beispiel?
Ein großes Thema in Leipzig ist die Bildung, vor allem im Zusammenhang mit
Neuen Medien und E-Learning. Da wird auch im Rahmen der Games Convention
viel von Seiten der Stadt getan, um entsprechende Unternehmen hier
anzusiedeln und die Messe in der Stadt zu halten.
Spielt Lokalpatriotismus bei Ihren Entscheidungen eine Rolle oder geht
es allein um die Rentabilität?
Ich würde sagen: 75 Prozent Wirtschaftlichkeit, 25 Prozent
Lokalpatriotismus. Wir arbeiten als Tochter der Sparkasse nicht losgelöst
im Raum, sondern klar auf die Region ausgerichtet. Wir haben jetzt mit den
Kollegen der von der Landesbank und den Sparkassen in Dresden und Chemnitz
einen Fond für Frühphasenförderung, also Unternehmensgründungen aus dem
Hochschulbereich heraus, aufgelegt, das hat natürlich auch was mit
Regionalentwicklung zu tun.
Stichwort Clusterbildung.
Genau. Im Chemnitzer Raum ist viel passiert, was Automotive, Maschinenbau
betrifft, im Dresdner Raum in Richtung Elektronik und
Biomedizintechnologie. In Leipzig sieht es da noch ein bisschen dünn aus,
leider ist auch von der Universität her noch nicht der Wille zu erkennen,
tatsächlich in Ausgründungen zu gehen.
Ein großes Thema ist ja momentan die Region Mitteldeutschland. Schauen
Sie nur auf Leipzig, auf Sachsen oder inwieweit ist diese Region relevant
für Sie?
Als Tochter der Sparkasse Leipzig sind wir natürlich grundsätzlich im
Geschäftsgebiet Leipzig unterwegs. Zum Glück dürfen wir das
Geschäftsgebiet größer definieren, so dass wir sagen können:
Mitteldeutschland ist für uns das Gebiet, auf dem wir agieren. Wir haben
Beteiligungen in Halle oder in Aue, da sind wir flexibel. Es muss eben
einen Mehrwert für das Unternehmen und für uns geben, da kann man nicht an
der Kreisgrenze in Delitzsch aufhören. Es geht nicht mehr ohne
Mitteldeutschland
Sind Sie selbst literarisch interessiert?
Ich lese gelegentlich (lacht). Ich lese eigentlich regelmäßig, literarisch
allerdings nur noch gelegentlich. Die berufliche Literatur nimmt einen
immer größeren Stellenwert ein. Ich war jahrelang stolz, jede Woche Die
Zeit geschafft zu haben, das schaffe ich momentan mit Tochter nicht mehr.
Aber zehn Bücher lese ich pro Jahr schon noch.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Momentan lese ich von Aristophanes „Die Vögel“.
Nach einem anstrengenden Tag also nicht nur der Druck auf den
Fernsehknopf?
Wir haben in unserer Familie keinen Fernseher. Da bleibt manchmal noch der
Computer, den ich, obwohl er den ganzen Tag schon läuft, auch zu Hause
noch mal anschalte, aber einen Fernseher brauchen wir nicht.
Vielen Dank für das Gespräch.
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