André Hille

 
 

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Paris, London, Leipzig

 

Erfolgreich, erfolgreicher, Leipziger Buchmesse. Anfangs hat der Frühjahrsbücherschau kaum jemand eine Chance gegeben, heute ist sie nach Frankfurt der wichtigste Branchentreff. Fünf Fragen an den Direktor Oliver Zille.

Wie kommt es, dass obwohl alle vom Verlust der Lesekultur sprechen, die Buchmesse Leipzig wächst und wächst?
Die Leipziger Buchmesse hat sich seit mehreren Jahren durch ein ganz eigenes Konzept im Markt positioniert. Die Förderung kleiner Verlage sowie unsere Konzentration auf junge deutschsprachige Literatur begeistert nicht nur die Aussteller, sondern auch das Publikum. Besonders deutlich wird das bei unserem Lesefest „Leipzig liest“, das jung wie alt fast schon magisch anzieht. Anstatt eine geschlossene Insiderrunde zu sein, gehen wir aktiv auf unser Publikum zu und tragen so den Geist der Messe nach außen.

Leipzig entwickelt sich immer mehr zur Publikumsmesse, während in Frankfurt die Geschäfte gemacht werden. Stellt Sie diese Entwicklung zufrieden?
Wir haben es geschafft, in Leipzig ein ganz spezielles Flair aufzubauen. Unsere regelmäßigen Befragungen während der Buchmesse zeigen, dass sich sowohl Autoren als auch Leser bei uns sehr wohl fühlen. Gleiches gilt für die vielen Fachbesucher. Um letztere aber noch expliziter anzusprechen, haben wir uns für dieses Jahr ein paar Neuerungen einfallen lassen. Zum einen bieten wir Buchhändlern ein preiswertes Rundum-Paket an, mit dem Sie eine Reihe von Leistungen, wie zum Beispiel die Unterkunft während der vier Messetage verbilligt beziehen können. Außerdem setzen wir ein neues Logistikkonzept um, welches vor allem Fachbesuchern ein entspannteres Messeerlebnis bieten wird.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Leipziger Messe GmbH ist eine Erfolgsstory. Der Umsatz entwickelte sich stetig nach oben. Wie sieht das speziell für die Buchmesse aus?
Seit 2 Jahren schreibt die Buchmesse schwarze Zahlen. Das freut uns natürlich sehr, da es auch eine Bestätigung für unsere harte Arbeit ist. Allerdings darf man den Erfolg der Buchmesse nicht nur aus rein materieller Sicht betrachten. Unser primäres Ziel ist es, Menschen für die Literatur zu begeistern und gleichzeitig den Ruf Leipzigs als Buchstadt weiter auszubauen.

Mit fast 2000 Veranstaltungen begleitet „Leipzig liest“ die Messe mit Lesungen und Aktionen. In den letzten Jahren war auf dem Messegelände selbst oft kaum mehr ein Durchkommen möglich. Ist das nicht auch eine Überforderung des Publikums?
Es ist richtig, dass die steigenden Besucherzahlen für uns eine logistische Herausforderung bedeuten. Wir freuen uns natürlich über jeden Gast, der den Weg zur Buchmesse findet. Gleichzeitig müssen wir aber auch sicherstellen, dass sich jeder bei uns wohlfühlt. Aus diesem Grund verteilten wir in diesem Jahr die Buchmesse auf eine größere Fläche. So schufen wir in den Durchgängen mehr Platz und entschleunigten damit die Besucherströme.

Wo sehen Sie die Leipziger Buchmesse in 10 Jahren?
Unser selbst gestecktes Ziel ist es, die Leipziger Buchmesse neben London und Paris europaweit zum größten Frühjahrstreff der Buchbranche zu entwickeln. Wenn wir mit dem Elan weiterarbeiten, der uns in den letzten Jahren ausgezeichnet hat, sollte dies realistisch sein. Schon heute sind wir unter Buchmarktexperten ein nicht mehr wegzudenkendes Forum. Natürlich werden wir unsere bisherigen Schwerpunktbereiche deshalb nicht vernachlässigen. Sowohl die Fokussierung auf junge deutsche Autoren als auch auf osteuropäische Literatur bleiben für uns zentrale Programmpunkte.

Foto: Leipziger Messe GmbH

 

© André Hille 2008