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Paris, London, Leipzig
Erfolgreich, erfolgreicher, Leipziger Buchmesse. Anfangs hat der
Frühjahrsbücherschau kaum jemand eine Chance gegeben, heute ist sie nach
Frankfurt der wichtigste Branchentreff. Fünf Fragen an den Direktor Oliver
Zille.
Wie kommt es, dass obwohl alle vom Verlust der Lesekultur sprechen, die
Buchmesse Leipzig wächst und wächst?
Die Leipziger Buchmesse hat sich seit mehreren Jahren durch ein ganz
eigenes Konzept im Markt positioniert. Die Förderung kleiner Verlage sowie
unsere Konzentration auf junge deutschsprachige Literatur begeistert nicht
nur die Aussteller, sondern auch das Publikum. Besonders deutlich wird das
bei unserem Lesefest „Leipzig liest“, das jung wie alt fast schon magisch
anzieht. Anstatt eine geschlossene Insiderrunde zu sein, gehen wir aktiv
auf unser Publikum zu und tragen so den Geist der Messe nach außen.

Leipzig entwickelt sich immer mehr zur Publikumsmesse, während in
Frankfurt die Geschäfte gemacht werden. Stellt Sie diese Entwicklung
zufrieden?
Wir haben es geschafft, in Leipzig ein ganz spezielles Flair aufzubauen.
Unsere regelmäßigen Befragungen während der Buchmesse zeigen, dass sich
sowohl Autoren als auch Leser bei uns sehr wohl fühlen. Gleiches gilt für
die vielen Fachbesucher. Um letztere aber noch expliziter anzusprechen,
haben wir uns für dieses Jahr ein paar Neuerungen einfallen lassen. Zum
einen bieten wir Buchhändlern ein preiswertes Rundum-Paket an, mit dem Sie
eine Reihe von Leistungen, wie zum Beispiel die Unterkunft während der
vier Messetage verbilligt beziehen können. Außerdem setzen wir ein neues
Logistikkonzept um, welches vor allem Fachbesuchern ein entspannteres
Messeerlebnis bieten wird.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Leipziger Messe GmbH ist eine
Erfolgsstory. Der Umsatz entwickelte sich stetig nach oben. Wie sieht das
speziell für die Buchmesse aus?
Seit 2 Jahren schreibt die Buchmesse schwarze Zahlen. Das freut uns
natürlich sehr, da es auch eine Bestätigung für unsere harte Arbeit ist.
Allerdings darf man den Erfolg der Buchmesse nicht nur aus rein
materieller Sicht betrachten. Unser primäres Ziel ist es, Menschen für die
Literatur zu begeistern und gleichzeitig den Ruf Leipzigs als Buchstadt
weiter auszubauen.
Mit fast 2000 Veranstaltungen begleitet „Leipzig liest“ die Messe mit
Lesungen und Aktionen. In den letzten Jahren war auf dem Messegelände
selbst oft kaum mehr ein Durchkommen möglich. Ist das nicht auch eine
Überforderung des Publikums?
Es ist richtig, dass die steigenden Besucherzahlen für uns eine
logistische Herausforderung bedeuten. Wir freuen uns natürlich über jeden
Gast, der den Weg zur Buchmesse findet. Gleichzeitig müssen wir aber auch
sicherstellen, dass sich jeder bei uns wohlfühlt. Aus diesem Grund
verteilten wir in diesem Jahr die Buchmesse auf eine größere Fläche. So
schufen wir in den Durchgängen mehr Platz und entschleunigten damit die
Besucherströme.
Wo sehen Sie die Leipziger Buchmesse in 10 Jahren?
Unser selbst gestecktes Ziel ist es, die Leipziger Buchmesse neben London
und Paris europaweit zum größten Frühjahrstreff der Buchbranche zu
entwickeln. Wenn wir mit dem Elan weiterarbeiten, der uns in den letzten
Jahren ausgezeichnet hat, sollte dies realistisch sein. Schon heute sind
wir unter Buchmarktexperten ein nicht mehr wegzudenkendes Forum. Natürlich
werden wir unsere bisherigen Schwerpunktbereiche deshalb nicht
vernachlässigen. Sowohl die Fokussierung auf junge deutsche Autoren als
auch auf osteuropäische Literatur bleiben für uns zentrale Programmpunkte.
Foto: Leipziger Messe GmbH
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