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Selbsterklärende Bücher
Der Buchmarkt dreht sich immer
schneller. Alle sechs Wochen müsse in den Buchhandlungen neue Ware
liegen, sagt
Tom Erben, einer der Geschäftsführer der Aufbau Verlagsgruppe. Die
Konsequenz für Verlage: Titelreduktion.
Gibt es eine Überproduktion auf dem
deutschsprachigen Buchmarkt?
Ich glaube, es gibt sie. Diese Antwort ist aber zu kurz gegriffen. Wir
bewegen uns im Buchhandel dahin, dass unsere Branche genauso geführt wird
wie ein Bekleidungsgeschäft. Die Marktanteile der großen Ketten steigen,
das mittlere und kleinere Sortiment hat es sehr schwer. Der Kunde, der in
den Laden geht, möchte ein attraktives und verführerisches Angebot haben.
Egal ob er in eine Thaliafiliale oder in eine kleine, literarische
Buchhandlung geht: Er erwartet, dass dort alle vier bis sechs Wochen
interessante neue Ware liegt. Deshalb würde ich das häufig benutzte und
negativ konnotierte Wort „Novitätenflut“ nicht so stehen lassen wollen,
sondern eher sagen, dass Kundenwünsche und Handelsstruktur sich rapide
ändern. Deswegen verlagert sich das Geschäft mit Büchern zum ganz großen
Teil auf Novitäten.
Ist das gefährlich für die Verlage?
Die Gefahr darin besteht, dass in dem Maße, wie sich das Geschäft auf die
aktuellen Titel reduziert, die älteren oder kleineren Titel gar nicht mehr
beachtet werden. Wir produzieren im Jahr 350 bis 400 Titel, davon liegen
bestenfalls zwanzig auf den Tischen der Buchhandlungen. Das sind unsere
Spitzentitel, Polina Daschkowa, Robert Schneider, Fred Vargas, diese Titel
müssen sich verkaufen. Die Titel in der zweiten und dritten Reihe müssen
selbsterklärende Bücher sein und funktionieren, ohne dass wir viel dafür
tun. Diese Titel aus der zweiten und dritten Reihe haben es sehr viel
schwerer als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Es wird immer so bleiben,
dass ein Kunde in den Laden geht und auch abseits der großen Titel sagt:
Ich möchte ein bestimmtes Buch. Mittlerweile ist es aber leider sehr viel
einfacher für ihn, sich dieses Buch im Internet zu bestellen.
Ist eine Art Selbstbeschränkung der Verlage ein utopischer Gedanke?
Wir haben, und das ist auch eine Reaktion auf die Marktentwicklung, die
Titelanzahl in den letzten Jahren um 20 Prozent reduziert und trotzdem 20
Prozent mehr Umsatz gemacht, insofern ist das schon ein Anfang. Aber das
hängt auch von der Marktposition ab. Bertelsmann wird nicht ohne Not
Terrain abgeben.
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