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André Hille |
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Beim Nachbarn in der Fremde
Literaten, Wälder und WM: André Hilles Reiseerzählungen aus Schlesien
Zwei Monate "Auswärtsspiel" - dieses Experiment ist der Leipziger Autor André Hille zu einer besonderen Zeit eingegangen. In den Wochen, als das Interesse der Welt Deutschland und sein "Sommermärchen" gerichtet ist, lebt er als Stipendiat beim Nachbarn: in Agnetendorf, Schlesien. Dort ist der Blickwinkel ein entgegengesetzter: In einem Pub in Hirschberg bejubelt nur einer - der Fremde - das 4:2 der Klinsmann-Elf gegen Argentinien. André Hilles Band 'Erzähl mir vom Land der Birken' versammelt die Essenz eines Perspektivwechsels. Mit wachem Blick erforscht der Erzähler sein eigenes Erleben in der neuen Umgebung, in den abenteuerlichen Wäldern des Riesengebirges und bei zwischenmenschlichen Begegnungen. So offenbart sich in kleinen Schrecken, komischen Absurditäten und erhellenden Momenten, in welchen Selbstverständlichkeiten sich 17 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhang die Unterschiede der Länder begründen: "Iwona schwärmte von ihrer Zeit in München. Sie bestand darauf: Das Leben in München sei einfach. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich begriff, dass wir unter einem 'einfachen Leben' das genaue Gegenteil verstehen." Das Missverständnis gründet in der Haltung zum Konsum: "Einfach ist für uns jeweils das andere: für mich das Draußen, für sie das Drinnen." Neben derlei Alltags-Kontrasten bestimmt das Wesen des Autor-Seins die gut 40 Miniaturen des Erzählbandes: Selbstbewusst setzt sich der Gast im Gerhart-Hauptmann-Haus mit dem Werk des Literaturnobelpreisträgers auseinander. Walter Benjamin und Samuel Beckett begleiten ihn leitmotivisch. Und der Erzähler erfährt die oberflächliche Seite des Literaturbetriebs bei einem Europafestival in Löwenberg. Seinem Blick entgeht aber ebenso wenig, dass sich erbärmlich gekleidete Menschen unters Publikum mischen, nahe beim Buffet - was in der hübschen Erkenntnis mündet: "Das gibt mir das gute Gefühl, dass Europa doch für etwas gut ist." Für den Erzähler wie für den Leser ist es erhellend, dieses "Auswärtsspiel" - und ein wenig ernüchternd: "Der Weg nach Westen ist eine Einbahnstraße, noch immer. Von Weissrussland nach Polen, von Polen nach Ostedeutschland, von Ostedeutschland nach Westdeutschland und von dort nach Amerika." Rhein-Zeitung
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| © André Hille 2008 |